OSINT- und Recon-Suchmaschinen

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60 OSINT- und Recon-Suchmaschinen

ℹ️ Hinweis: Sammlung für autorisierte Sicherheitsforschung, OSINT-Ausbildung und defensive Untersuchungen. Einige der gelisteten Dienste (Breach-, People- und Kamera-Suchen) sind in Deutschland datenschutzrechtlich heikel – im Unterricht nur zur Awareness und gegen freigegebene Ziele einsetzen.

Grundlage: Community-Grafik „60 Search Engines" (HexSec). Nummerierung wie in der Grafik. Offensichtliche Fehler wurden korrigiert (Nr. 19, 57) und Dubletten gekennzeichnet. OSINT-Dienste verschwinden häufig – vor jedem Kurs Links kurz prüfen.

01–10 · Infrastruktur, Exposure, Schwachstellen

01 – Google (google.com)
Die meistgenutzte Suchmaschine wird über „Google Dorks" (Operatoren wie site:, filetype:, inurl:) zum Recon-Werkzeug. So findet man indexierte Dateien, Login-Seiten, Verzeichnislisten und versehentlich veröffentlichte Daten.
02 – Shodan (shodan.io)
Suchmaschine für mit dem Internet verbundene Geräte statt Webseiten; indexiert offene Ports, Banner und Dienste. Klassiker fürs Auffinden exponierter Server, ICS/SCADA-Anlagen, Kameras und Datenbanken.
03 – Censys (censys.io)
Scannt kontinuierlich den IPv4-Raum und indexiert Hosts, Dienste und TLS-Zertifikate. Stärke ist die zertifikats- und protokollzentrierte Sicht auf die Angriffsfläche.
04 – ZoomEye (zoomeye.org)
Chinesisches Pendant zu Shodan/Censys für die internetweite Asset-Suche. Findet Geräte, Dienste, Webseiten und exponierte Systeme per Banner-Grabbing.
05 – GreyNoise (greynoise.io)
Analysiert und kennzeichnet Internet-Scan-Rauschen (Massenscanner, Bots, Crawler). Hilft im SOC, „Hintergrundlärm" von gezieltem Traffic zu trennen und Fehlalarme zu reduzieren.
06 – FOFA (fofa.info)
Chinesische Suchmaschine für internetweite Assets, Dienste und Technologien mit mächtiger Fingerprinting-Syntax. Damit lassen sich bestimmte Software oder Frameworks weltweit auffinden.
07 – Onyphe (onyphe.io)
Cyber-Defense-Suchmaschine, die Scan-, Bedrohungs- und Infrastrukturdaten zusammenführt. Nützlich, um IPs und Domains mit Exposure- und Threat-Informationen anzureichern.
08 – NIST NVD (nvd.nist.gov)
Die offizielle US-Schwachstellendatenbank mit CVEs, CVSS-Scores, betroffenen Produkten (CPE) und Referenzen. Primärquelle für strukturierte Schwachstellen-Recherche.
09 – OSV.dev (osv.dev)
Von Google betriebene Datenbank für Schwachstellen in Open-Source-Paketen. Maschinenlesbar und ökosystemübergreifend (npm, PyPI, Go u. a.), ideal fürs Dependency-Scanning.
10 – Vulniq (vulniq.com)
Plattform zur Bündelung und Korrelation von Vulnerability- und Threat-Intelligence für die Priorisierung. Eher kommerziell/nischig – Erreichbarkeit vor Kurseinsatz prüfen.

11–20 · CVEs, Zertifikate, Domains, DNS

11 – VulDB (vuldb.com)
Umfangreiche, teils früh gepflegte Schwachstellendatenbank mit eigener Bewertung. Enthält CVSS, Exploit-Verfügbarkeit und begleitende Threat-Intel.
12 – 0day.today (0day.today)
Marktplatz/Archiv für Exploits, vieles kostenpflichtig und in Krypto gehandelt. Grau- bis dunkelgrauer Bereich – im Unterricht eher als Beispiel für die Exploit-Ökonomie als für seriöse Recherche.
13 – OpenCVE (opencve.io)
Erlaubt das Abonnieren und Überwachen von CVEs für bestimmte Hersteller und Produkte. Benachrichtigt bei neuen oder geänderten Schwachstellen im eigenen Tech-Stack.
14 – crt.sh (crt.sh)
Durchsucht Certificate-Transparency-Logs nach ausgestellten Zertifikaten. Deckt darüber Subdomains und interne Hostnamen auf, die sonst schwer zu finden sind.
15 – Hunter.io (hunter.io)
Findet zu einer Domain gehörende, öffentlich auffindbare E-Mail-Adressen samt Muster (z. B. vorname.nachname@). Gängig für die Recherche von Ansprechpartnern und für Phishing-Awareness-Demos.
16 – SearchCode (searchcode.com)
Volltextsuche über Quellcode aus vielen öffentlichen Repositories. Hilft, Code-Schnipsel, Konfigfragmente oder versehentlich veröffentlichte Schlüssel aufzuspüren.
17 – BuiltWith (builtwith.com)
Erkennt die auf einer Webseite eingesetzten Technologien (CMS, Frameworks, Analytics, Server). Nützlich fürs Fingerprinting der Zielumgebung im Recon.
18 – Robtex (robtex.com)
Verknüpft Domains, IPs, DNS-Records und Routing-/AS-Informationen. Gut, um Infrastruktur-Beziehungen („was hängt noch an dieser IP?") sichtbar zu machen.
19 – GTFOBins (gtfobins.github.io)  [Korrektur]
In der Grafik als „MITRE Resource / go away.mitre.org" verstümmelt – gemeint ist GTFOBins. Referenz legitimer Unix-Binaries, die sich zur Rechteausweitung oder zum Ausbruch aus Einschränkungen missbrauchen lassen (das Unix-Gegenstück zu LOLBAS).
20 – DNSDB (dnsdb.io)
Passive-DNS-Datenbank mit historischen Auflösungen; zeigt, welche Domains und IPs früher zusammenhingen. Wichtig fürs Infrastruktur-Tracking (die bekannte kommerzielle Variante ist Farsight/DomainTools DNSDB).

21–30 · Netzwerke, Personen, Exposure

21 – DNSViz (dnsviz.net)
Visualisiert und prüft die DNS- und DNSSEC-Konfiguration einer Zone. Deckt Kettenfehler und Validierungsprobleme grafisch auf.
22 – WiGLE (wigle.net)
Crowdsourced-Datenbank weltweit „erwardriveter" WLANs mit SSID, Verschlüsselung und Geo-Position. Für WLAN-OSINT und den Standortbezug von Netzen.
23 – WiFiMap (wifimap.io)
Community-Karte mit WLAN-Standorten und teils Zugangsdaten öffentlicher Hotspots. Zeigt öffentlich geteilte Netzinformationen.
24 – WiFiSPC (wifispc.com)
Weitere community-basierte Sammlung von WLAN-Informationen und Passwörtern öffentlicher Netze. Zweck ähnlich wie WiFiMap.
25 – Skymem (skymem.info)
Sucht öffentlich indexierte E-Mail-Adressen zu Domains und Firmen. Einfaches Hilfsmittel für die E-Mail-Recherche.
26 – ThatsThem (thatsthem.com)
US-lastige People-Search-/Public-Records-Aggregation (Name, Adresse, Telefon, E-Mail). Für Personen-OSINT – in DE datenschutzrechtlich heikel, nur zur Awareness.
27 – Snusbase (snusbase.com)
Kommerzielle Suche über geleakte Datenbanken/Breach-Daten; zeigt, in welchen Leaks eine E-Mail oder ein Benutzername auftaucht. Nur für defensive Zwecke wie Betroffenheitsprüfungen.
28 – DeHashed (dehashed.com)
Durchsuchbare Breach- und Credential-Leaks (E-Mail, Benutzername, Hash, teils Klartext). Wichtig für Credential-Exposure-Checks; kostenpflichtig und rechtlich sensibel.
29 – LOLBAS (lolbas-project.github.io)
Katalog legitimer Windows-Binaries und -Skripte („Living Off The Land"), die sich für Angreiferzwecke zweckentfremden lassen. Zentrale Referenz für Angriff und – vor allem – Detektion.
30 – FullHunt (fullhunt.io)
Attack-Surface-Suchmaschine, die exponierte Assets, Dienste und Subdomains einer Organisation findet. Gut für den ersten Überblick über die externe Angriffsfläche.

31–40 · Code, URLs, Angriffsflächen

31 – grep.app (grep.app)
Blitzschnelle Code-Suche über sehr viele öffentliche GitHub-Repositories, inklusive Regex/Pattern. Ideal, um die Verwendung bestimmter Funktionen, Secrets oder Muster im Code zu finden.
32 – urlscan.io (urlscan.io)
Analysiert eine URL in einer Sandbox und liefert Screenshot, kontaktierte Domains, Requests und Verhalten. Sehr nützlich zur Untersuchung von Phishing-/Malware-URLs ohne eigenes Risiko.
33 – Chaos (chaos.projectdiscovery.io)
Von ProjectDiscovery gepflegter Datensatz an Subdomains/DNS-Daten für Security-Research. Speist Recon-Workflows und Tools (etwa im Bug-Bounty) mit Assets.
34 – C99.nl (c99.nl)
Sammlung von Online-Utilities für Domain-, Netzwerk- und technische Lookups (Subdomain-Finder, Portscan, Reverse-IP u. a.). Praktisches „Schweizer-Taschenmesser", teils kostenpflichtig.
35 – WiGLE (wigle.net)
→ siehe Nr. 22 (Dublette in der Original-Grafik).
36 – SynapsInt (synapsint.com)
OSINT-Aggregator, der mehrere Quellen (Domains, IPs, Personen, Social) in einer Oberfläche korreliert. Als „All-in-one"-Startpunkt einer Untersuchung gedacht.
37 – Omnisint (omnisint.io)  [⚠️ eingestellt]
War ein sehr schneller Subdomain- und Reverse-DNS-Dienst („Project Crobat"). Beruhte auf Rapid7s inzwischen abgeschaltetem offenem DNS-Datensatz und ist damit faktisch tot – nur noch als historisches Beispiel brauchbar.
38 – Riddler (riddler.io)  [⚠️ eingestellt]
War der Crawler-/Recon-Dienst von F-Secure (Host-, Domain- und DNS-Zusammenhänge). Nach dem WithSecure-Umbau eingestellt – als veraltet behandeln bzw. Erreichbarkeit prüfen.
39 – NerdyData (nerdydata.com)
Durchsucht Webseiten nach im Quellcode verwendeten Technologien, Skripten und Snippets. Man findet z. B. alle Seiten, die einen bestimmten Tracking-Code oder ein Framework einbinden.
40 – OSV.dev (osv.dev)
→ siehe Nr. 9 (Dublette in der Original-Grafik).

41–50 · Threat Intel, Malware, digitale Spuren

41 – Insecam (insecam.org)
Verzeichnis öffentlich erreichbarer Netzwerkkameras, oft mit Default-Zugangsdaten. Drastisches Awareness-Beispiel für ungesicherte IoT-Geräte – Nutzung rechtlich/ethisch heikel.
42 – Tria.ge (tria.ge)
Interaktive Malware-Sandbox (Hatching/Recorded Future) zum Ausführen und Analysieren verdächtiger Dateien. Liefert Verhaltens-, Netzwerk- und IOC-Reports.
43 – LeakIX (leakix.net)
Suchmaschine für exponierte Dienste, offene Datenbanken und Leaks im Internet. Zeigt fehlkonfigurierte, öffentlich erreichbare Infrastruktur.
44 – Filesec.io (filesec.io)
Referenz zu Dateiendungen/-typen, die für Angriffe (Phishing, Payload-Delivery) missbraucht werden. Hilft Verteidigern, riskante Anhänge zu erkennen und zu blocken.
45 – MalAPI (malapi.io)
Nachschlagewerk für Windows-API-Funktionen, die typischerweise in Malware vorkommen, nach Technik gruppiert. Nützlich für Malware-Analyse und das Verständnis von Schadcode-Verhalten.
46 – SpyDialer (spydialer.com)
Öffentlicher Reverse-Lookup für Telefonnummern und Identitäten (US-lastig). Für Personen-OSINT – in DE datenschutzrechtlich sensibel.
47 – Tellows (tellows.com)
Community-Bewertungsdienst für Telefonnummern (Spam/Betrug). Gut zum Einordnen unbekannter oder verdächtiger Anrufer und Nummern.
48 – Rapid7 DB (rapid7.com/db)
Durchsuchbare Datenbank von Schwachstellen und Exploits, inkl. Metasploit-Modulen. Verbindet CVEs direkt mit verfügbaren Modulen und PoCs.
49 – Exploit-DB (exploit-db.com)
Das klassische, von Offensive Security gepflegte Archiv öffentlicher Exploits und PoCs. Enthält auch die Google-Hacking-Database (GHDB) und verlinkt oft direkt zu CVEs.
50 – TinEye (tineye.com)
Reverse-Image-Search: findet, wo ein Bild sonst noch online auftaucht. Für Bild-OSINT, Verifikation und das Aufdecken von Fake-Profilen.

51–60 · Bilder, Tor, Threat Intel, Internet-Assets

51 – Mylnikov (mylnikov.org)
Dienst/Datenbank zur WLAN-basierten Geolokalisierung (Position aus BSSID/MAC). Für die Standortbestimmung anhand von Funknetz-Daten in OSINT-Workflows.
52 – Ahmia (ahmia.fi)
Suchmaschine, die öffentlich erreichbare Tor-Onion-Dienste indexiert und aus dem Clearnet nutzbar ist. Filtert dabei illegale Inhalte weitgehend heraus.
53 – tor.link (tor.link)
Verzeichnis/Suche für Tor-bezogene Seiten und Onion-Dienste. Einstieg für Darkweb-Recherche – Inhalte und Erreichbarkeit schwanken stark.
54 – ORKL (orkl.org)
Durchsuchbares Archiv von Cyber-Threat-Intelligence-Reports (APT- und Malware-Berichte). Sehr nützlich, um zu einer Bedrohung oder Gruppe schnell die passenden Reports zu finden.
55 – BuiltWith (builtwith.com)
→ siehe Nr. 17 (Dublette in der Original-Grafik).
56 – Netlas (netlas.io)
Suchmaschine für internetweite Assets, Domains, IPs und exponierte Dienste (Shodan-/Censys-Alternative). Bietet zertifikats- und response-basierte Suche mit großzügigem Free-Tier.
57 – recon.dev  [Korrektur]
In der Grafik fälschlich mit „netlas.io" beschriftet; gemeint ist recon.dev, ein Recon-Dienst zur Subdomain- und Asset-Suche. Verfügbarkeit hat sich mehrfach geändert – vor Kurseinsatz prüfen.
58 – Vulmon (vulmon.com)
Schwachstellen-Suchmaschine mit Volltext-Suche und Exploit-Verweisen. Bietet zusätzlich CVE-Alerts und Feeds.
59 – SpyDialer (spydialer.com)
→ siehe Nr. 46 (Dublette in der Original-Grafik).
60 – Bing (bing.com)
Microsofts Suchmaschine liefert mit eigenen Operatoren teils andere Treffer als Google. Als zweite Quelle im OSINT sinnvoll – abweichender Index, andere Dorks.

Hinweise für den Kurseinsatz

  • Eindeutige Dienste: Von 60 Einträgen sind vier Dubletten (Nr. 35, 40, 55, 59) – effektiv also 56 verschiedene Dienste.
  • Tot/eingestellt: Omnisint (37), Riddler (38); recon.dev (57) und Vulniq (10) sind wackelig. Vor der Schulung kurz gegenchecken.
  • Rechtlich sensibel (DSGVO): People-/Phone-Suchen (26, 46, 47, 59), Breach-Daten (27, 28), offene Kameras (41). Im Unterricht nur zur Awareness und gegen freigegebene Ziele.
  • Merksatz aus der Grafik: „Recon startet, bevor das erste Paket gesendet wird." – passt gut als Einstieg in eine OSINT-/Recon-Einheit.