WAF mit HAProxy und Coraza Rocky
WAF-Demo: HAProxy mit Coraza auf Rocky Linux
Ziel
Diese Übung zeigt eine minimale Web Application Firewall auf Basis von HAProxy und Coraza (OWASP CRS) vor einem Backend-Webserver, inklusive TLS-Terminierung. Gleichzeitig demonstriert der Aufbau, dass Rocky Linux bereits von Haus aus durch firewalld und SELinux gehärtet ist, bevor überhaupt eine WAF ins Spiel kommt. Bewusst ein Backend, eine Fehlerseite, wenig Zusatzkomponenten.
Topologie
- Beschreibung
Zwei Rocky-Linux-Hosts.
- revproxy.it2XX.int (10.88.2XX.41) – HAProxy terminiert TLS auf Port 443, coraza-spoa läuft lokal auf 127.0.0.1:9000
- www.it2XX.int (10.88.2XX.11) – Backend-Webserver, TLS auf Port 443
Nur revproxy ist von außen erreichbar. www nimmt ausschließlich Verbindungen von revproxy entgegen, kein direkter Zugriff von außen.
Zertifikat auf dem Reverse Proxy vorbereiten
- Beschreibung
HAProxy erwartet Zertifikat und Key als eine gemeinsame PEM-Datei, nicht als zwei getrennte Dateien.
- cat /etc/ssl/own.crt /etc/ssl/own.key > /etc/haproxy/own-combined.pem
- chmod 600 /etc/haproxy/own-combined.pem
- SELinux-Kontext setzen
Die Datei liegt außerhalb der Standardpfade, die per Policy bereits cert_t zugeordnet sind. Daher explizit setzen, wieder über semanage statt chcon, damit die Zuordnung auch einen restorecon-Lauf übersteht.
- semanage fcontext -a -t cert_t "/etc/haproxy/own-combined\.pem"
- restorecon -v /etc/haproxy/own-combined.pem
Backend-Webserver (www.it2XX.int)
- Beschreibung
Falls der Host noch nicht existiert: httpd mit TLS auf 443, eigenes Zertifikat.
- dnf install -y httpd mod_ssl
- echo "Backend erreichbar" > /var/www/html/index.html
- systemctl enable --now httpd
Auf diesem Host ist Port 443 bereits Teil der Standardliste von http_port_t, daher ist hier keine SELinux-Portanpassung nötig – anders als bei einem untypischen Port.
Härtung mit firewalld
- Auf revproxy
- nur HTTPS und SSH von außen
- firewall-cmd --permanent --add-service=https
- firewall-cmd --permanent --add-service=ssh
- firewall-cmd --reload
- Auf www
- 443 ausschließlich von revproxy, kein offener https-Service
- firewall-cmd --permanent --add-rich-rule='rule family="ipv4" source address="10.88.2XX.41/32" port protocol="tcp" port="443" accept'
- firewall-cmd --permanent --add-service=ssh
- firewall-cmd --reload
- Kontrolle
- firewall-cmd --list-all
Härtung mit SELinux
- Beschreibung
Auf revproxy muss HAProxy zusätzlich zum Bind auf 443 auch das eigene Zertifikat lesen können. Der Cert-Kontext aus dem vorherigen Schritt regelt genau das – ohne ihn verweigert SELinux den Start von HAProxy, auch wenn firewalld und die Dateiberechtigungen längst passen.
- Kontrolle, dass 443 zu http_port_t gehört (Standardfall, keine Änderung nötig)
- semanage port -l | grep http_port_t
- Kontexte der Zertifikatsdatei prüfen
- ls -Z /etc/haproxy/own-combined.pem
HAProxy installieren
- dnf install -y haproxy
Coraza (coraza-spoa) installieren
- Beschreibung
coraza-spoa ist ein eigenständiger Go-Daemon, der als SPOE-Agent für HAProxy arbeitet und lokal auf revproxy läuft. Es gibt kein Rocky-Paket, aber ein fertiges Release-Binary, sodass kein Compiler auf dem System nötig ist.
- mkdir -p /etc/coraza-spoa
- curl -L -o /usr/local/bin/coraza-spoa https://github.com/corazawaf/coraza-spoa/releases/latest/download/coraza-spoa_linux_amd64
- chmod +x /usr/local/bin/coraza-spoa
- OWASP Core Rule Set und Basisregeln laden
- git clone --depth=1 https://github.com/coreruleset/coreruleset /etc/coraza-spoa/coreruleset
- curl -L -o /etc/coraza-spoa/coraza.conf https://raw.githubusercontent.com/corazawaf/coraza/main/coraza.conf-recommended
- cp /etc/coraza-spoa/coreruleset/crs-setup.conf.example /etc/coraza-spoa/crs-setup.conf
- Coraza-Konfiguration
# /etc/coraza-spoa/config.yaml
bind: 127.0.0.1:9000
loglevel: info
applications:
revproxy:
directives: |
Include /etc/coraza-spoa/coraza.conf
SecRuleEngine On
Include /etc/coraza-spoa/crs-setup.conf
Include /etc/coraza-spoa/coreruleset/rules/*.conf
- systemd-Unit
# /etc/systemd/system/coraza-spoa.service [Unit] Description=Coraza SPOA für HAProxy After=network.target [Service] ExecStart=/usr/local/bin/coraza-spoa -config /etc/coraza-spoa/config.yaml Restart=on-failure [Install] WantedBy=multi-user.target
- systemctl daemon-reload
- systemctl enable --now coraza-spoa
HAProxy-Konfiguration
- TLS-Terminierung, SPOE-Filter und Backend
# /etc/haproxy/haproxy.cfg
global
log /dev/log local0
maxconn 2000
defaults
mode http
timeout connect 5s
timeout client 30s
timeout server 30s
errorfile 403 /etc/haproxy/errors/403-waf.http
frontend fe_web
bind 10.88.2XX.41:443 ssl crt /etc/haproxy/own-combined.pem
filter spoe engine coraza config /etc/haproxy/coraza.cfg
http-request deny deny_status 403 if { var(txn.coraza.action) -m str deny }
default_backend backend_web
backend backend_web
server web01 10.88.2XX.11:443 check ssl verify none
backend coraza-spoa
mode tcp
option spop-check
server spoa1 127.0.0.1:9000 check
- Hinweis
verify none, weil www.it2XX.int im Kurslabor ein eigenes, nicht von einer bekannten CA signiertes Zertifikat verwendet. In einer produktiven Umgebung stattdessen die interne CA hinterlegen.
SPOE-Konfiguration für Coraza
# /etc/haproxy/coraza.cfg
[coraza]
spoe-agent coraza-agent
messages coraza-req
option var-prefix coraza
option set-on-error error
timeout hello 2s
timeout idle 2m
timeout processing 500ms
use-backend coraza-spoa
log global
spoe-message coraza-req
args app=str(revproxy) src-ip=src src-port=src_port dst-ip=dst dst-port=dst_port method=method path=path query=query version=req.ver headers=req.hdrs body=req.body
event on-frontend-http-request
Eigene Fehlerseite
- Beschreibung
Genau eine Fehlerseite für alle von der WAF geblockten Requests.
# /etc/haproxy/errors/403-waf.http HTTP/1.1 403 Forbidden Content-Type: text/html <html><body><h1>Anfrage blockiert</h1><p>Diese Anfrage wurde von der Web Application Firewall abgelehnt.</p></body></html>
- systemctl enable --now haproxy
Test
- Normale Anfrage
- curl -ik https://revproxy.it2XX.int/
- Angriffsversuch, der von Coraza/OWASP CRS erkannt werden sollte
- curl -ik "https://revproxy.it2XX.int/?id=1' OR '1'='1"
Die erste Anfrage liefert die Backend-Testseite mit Status 200, die zweite die eigene 403-Fehlerseite, ohne dass die Anfrage überhaupt www.it2XX.int erreicht. Das -k ist nur wegen des selbstsignierten own.crt für den Test nötig.
Zusammenfassung
- firewalld lässt auf revproxy von außen ausschließlich HTTPS und SSH zu; www akzeptiert 443 nur von revproxy
- SELinux sorgt dafür, dass HAProxy nur mit korrekt gelabeltem Zertifikat startet, unabhängig von firewalld und Dateiberechtigungen
- HAProxy mit Coraza terminiert TLS und blockiert bekannte Angriffsmuster, bevor sie www.it2XX.int erreichen
- Genau eine Fehlerseite für alle WAF-Blocks