OPNsense HA Umsetzung: Unterschied zwischen den Versionen

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=Debugging=
 
=Debugging=
==XMLRPC==
+
 
* Um den erfolgreichen Sync auf der Master-Firewall zu prüfen, geht man so vor:
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== Vorgehen ==
* System
+
* Von unten nach oben prüfen: erst CARP (Layer 2/3), dann pfsync (States), dann XMLRPC (Konfiguration)
** Log Files
+
* Ein Cluster kann sauber synchronisieren und trotzdem kein Failover können – und umgekehrt
*** General
+
 
* Oben im Filter-Feld den Begriff '''xmlrpc''' eingeben
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== Schritt 1: CARP-Status ==
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* Auf beiden Knoten:
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ifconfig em0 ; ifconfig em1
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* Erwartetes Bild:
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{| class="wikitable"
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! Knoten !! LAN (vhid 100) !! WAN (vhid X)
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|-
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| Master || MASTER, advskew 0 || MASTER, advskew 0
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|-
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| Backup || BACKUP, advskew 100 || BACKUP, advskew 100
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|}
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* In der GUI: '''Interfaces => Virtual IPs => Status'''
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* CARP global ein-/ausgeschaltet:
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sysctl net.inet.carp.allow
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* Ausführlichere CARP-Meldungen im Log einschalten:
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sysctl net.inet.carp.log=2
 +
 
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== Schritt 2: Beide Knoten sind MASTER (Split Brain) ==
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* Das häufigste Fehlerbild im Labor. Beide Knoten sehen den Partner nicht und übernehmen die VIP.
 +
* Prüfen, ob die Advertisements des Partners überhaupt ankommen:
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tcpdump -n -i em1 proto 112
 +
tcpdump -n -i em0 proto 112
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* Man muss die Pakete '''beider''' Knoten sehen (Quelle = jeweils die echte Interface-IP)
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{| class="wikitable"
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! Beobachtung !! Ursache
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|-
 +
| Nur eigene Pakete sichtbar || Promiscuous-Modus im Hypervisor fehlt
 +
|-
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| Gar keine Pakete sichtbar || VIP nicht angelegt oder Interface down
 +
|-
 +
| Pakete kommen an, trotzdem beide MASTER || CARP-Allow-Regel auf dem Interface fehlt
 +
|-
 +
| Pakete mit fremder VHID || Anderer Teilnehmer nutzt die gleiche VHID
 +
|}
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* Weitere Ursachen bei Split Brain:
 +
** Unterschiedliches '''Virtual Password''' auf den beiden Knoten
 +
** Unterschiedliche '''VHID''' auf den beiden Knoten
 +
** Unterschiedliche '''Advertising Frequency'''
 +
 
 +
== Schritt 3: Kein Failover trotz korrektem Status ==
 +
* Demotion-Zähler prüfen – ist er größer als 0, bleibt der Knoten absichtlich BACKUP:
 +
sysctl net.inet.carp.demotion
 +
* Ursachen für einen erhöhten Zähler: ein Interface ist down, ein Dienst startet nicht sauber, der Knoten befindet sich noch im Maintenance Mode
 +
* Maintenance Mode verlassen: '''System => High Availability => Status => Leave persistent CARP maintenance mode'''
 +
 
 +
== Schritt 4: Sicht des Clients ==
 +
* Auf dem Windows-Client prüfen, welche MAC hinter dem Gateway steckt:
 +
arp -a
 +
* Die LAN-VIP muss auf eine virtuelle MAC zeigen, nicht auf die echte NIC des Masters:
 +
192.168.1.3    00-00-5e-00-01-64
 +
* Das letzte Byte ist die VHID in hex – 0x64 = 100
 +
* Steht dort eine 08:00:27:... Adresse, arbeitet der Client an CARP vorbei direkt mit einer echten Firewall-IP
 +
* Nach einem Failover darf sich der ARP-Eintrag '''nicht''' ändern – genau das ist der Sinn der virtuellen MAC
 +
 
 +
== Schritt 5: Zustandssynchronisation (pfsync) ==
 +
* Läuft der pfsync-Verkehr über das SYN-Netz?
 +
tcpdump -n -i em2 proto 240
 +
* Anzahl der States auf beiden Knoten vergleichen – die Werte müssen ähnlich sein:
 +
pfctl -s state | wc -l
 +
* Ist die Zahl auf dem Backup dauerhaft 0, überträgt pfsync nicht:
 +
** '''Synchronize Peer IP''' zeigt auf die falsche Adresse
 +
** Die Allow-Regel auf dem SYN-Interface fehlt
 +
** SYN-Interface auf einem der Knoten nicht aktiviert
 +
 
 +
== Schritt 6: Konfigurationssynchronisation (XMLRPC) ==
 +
* Auf der Master-Firewall: '''System => Log Files => General''', im Filter-Feld '''xmlrpc''' eingeben
 
* Gesucht wird ein Eintrag wie: '''[OK] Configuration synchronized to''' https://100.64.64.2:443
 
* Gesucht wird ein Eintrag wie: '''[OK] Configuration synchronized to''' https://100.64.64.2:443
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* Manuell anstoßen: '''System => High Availability => Status => Synchronize and reconfigure all (Push)'''
 +
* Gleichzeitig auf dem Backup mitlesen:
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tail -f /var/log/configd/latest.log
 +
{| class="wikitable"
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! Meldung !! Ursache
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|-
 +
| Connection refused || Web-GUI des Backups nicht erreichbar oder falscher Port
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|-
 +
| Authentication failed || Falsches Passwort unter "Remote System Password"
 +
|-
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| Certificate verify failed || "Verify peer" ist aktiviert, Zertifikat ist selbstsigniert
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|-
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| Endlose Sync-Schleife || Auf dem Backup ist "Synchronize Config" gefüllt – muss leer sein
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|}
  
== CARP-Advertisements mitlesen ==
+
== Schritt 7: Ausgehende Verbindungen ==
* Falls kein Failover stattfindet, auf dem WAN-Interface prüfen, ob die Advertisements des Partners ankommen:
+
* Prüfen, mit welcher Quelladresse der Client nach draußen geht:
tcpdump -n -i em1 proto 112
+
tcpdump -n -i em1 host 192.168.HS.254
* Hier sieht man auch, welche VHIDs im Segment sonst noch unterwegs sind
+
* Es muss die Virtual WAN IP (192.168.HS.X+20) erscheinen, nicht die echte IP des Masters
 +
* Erscheint die echte IP: Outbound-NAT steht noch auf automatisch, oder in der manuellen Regel wurde als Target nicht die VIP gewählt
 +
 
 +
== Nützliche Befehle im Überblick ==
 +
{| class="wikitable"
 +
! Befehl !! Zweck
 +
|-
 +
| ifconfig em0 ; ifconfig em1 || CARP-Rolle und VIPs anzeigen
 +
|-
 +
| tcpdump -n -i em1 proto 112 || CARP-Advertisements mitlesen
 +
|-
 +
| tcpdump -n -i em2 proto 240 || pfsync-Verkehr mitlesen
 +
|-
 +
| pfctl -s state {{!}} wc -l || Anzahl der Firewall-States
 +
|-
 +
| sysctl net.inet.carp.demotion || Demotion-Zähler
 +
|-
 +
| sysctl net.inet.carp.log=2 || Ausführliches CARP-Logging
 +
|-
 +
| tail -f /var/log/configd/latest.log || Konfigurationssync mitlesen
 +
|-
 +
| configctl filter reload || Regelwerk neu laden
 +
|}
  
 
==Netzwerkschnittstellen==
 
==Netzwerkschnittstellen==

Aktuelle Version vom 20. August 2026, 19:12 Uhr

Plan

Platzhalter in diesem Artikel

Platzhalter Bedeutung Beispiel
HS Drittes Oktett des Schulungsnetzes (WAN), wird vom Trainer vorgegeben 4
X Deine Teilnehmernummer, wird vom Trainer vorgegeben 13
  • Beispiel für X=13 und HS=4: WAN Master 192.168.4.53, WAN Backup 192.168.4.73, WAN-VIP 192.168.4.33, VHID 13
  • Alle Passwörter in diesem Artikel sind Laborwerte und dürfen so niemals in eine produktive Umgebung übernommen werden.

Wichtig

  • Die Netzwerkkarten für LAN und WAN müssen im Hypervisor in den Promiscuous-Modus geschaltet werden – nicht in OPNsense.
    • VirtualBox: Maschine => Ändern => Netzwerk => Adapter => Erweitert => Promiscuous-Modus: Alle erlauben
    • Proxmox: Bridge ohne MAC-Filter bzw. entsprechende Bridge-Einstellung
  • Das gilt sowohl für den Master als auch für das Backup.
Begründung
  • CARP verwendet virtuelle MAC-Adressen für die gemeinsame VIP. In virtualisierten Umgebungen werden Frames mit diesen MAC-Adressen vom Hypervisor standardmäßig verworfen, da sie nicht der echten VM-NIC zugeordnet sind. Ohne aktivierten Promiscuous-Modus erreichen CARP-Advertisements den Partner nicht, was zu Fehldetektion, unerwünschtem Failover und HA-Inkonsistenzen führt.

Vorbereitung

  • Zwei OPNsense-Installationen mit jeweils mind. 3 Netzwerkkarten
  • Auf beiden Maschinen muss die gleiche OPNsense-Version laufen
  • Die Anzahl der Netzwerkkarten muss auf beiden Maschinen gleich sein
  • Die Reihenfolge und Anzahl der Netzwerkschnittstellen muss auf beiden Maschinen identisch sein!
  • Empfehlung für beide Maschinen:
    • em0: LAN
    • em1: WAN
    • em2: SYN
  • Am Anfang sollten so wenige Dienste wie möglich laufen

IP-Adressen der Master Firewall

  • em0 (LAN): 192.168.1.1/24
  • em1 (WAN): 192.168.HS.X+40/24
  • em2 (SYN): 100.64.64.1/30

IP-Adressen der Backup Firewall

  • em0 (LAN): 192.168.1.2/24
  • em1 (WAN): 192.168.HS.X+60/24
  • em2 (SYN): 100.64.64.2/30

Übersicht

Master (opns-ha1) Backup (opns-ha2) VIP VHID
LAN (em0) 192.168.1.1 192.168.1.2 192.168.1.3 100
WAN (em1) 192.168.HS.X+40 192.168.HS.X+60 192.168.HS.X+20 X
SYN (em2) 100.64.64.1 100.64.64.2
  • Die VHID muss nur innerhalb einer Broadcast-Domäne eindeutig sein, der Wertebereich ist 1 bis 255.
  • Da sich alle Teilnehmer das WAN-Segment teilen, wird dort die Teilnehmernummer X verwendet (1 bis 13).
  • Das LAN ist pro Teilnehmer ein eigenes, isoliertes Segment. Dort steht deshalb bei allen Teilnehmern fest die 100. Der Abstand zum WAN-Bereich ist Absicht: dreistellig = LAN, zweistellig = WAN.

Firewall Regeln (beide Firewalls)

  • Auf allen Schnittstellen außer dem SYN-Interface muss das Protokoll CARP akzeptiert werden
  • Dazu muss im Menü Firewall => Rules => {WAN, LAN} je eine Allow-Regel erstellt werden, die auf das CARP-Protokoll matcht
  • Für das SYN-Interface kann man eine Standard-Allow-Regel erstellen, die alles erlaubt

Virtuelle IPs (Master Firewall)

  • Die virtuellen IPs werden von den Knoten des HA-Clusters geteilt, sobald ein Ausfall erkannt wird
  • Somit wird dafür gesorgt, dass die virtuelle IP immer erreichbar ist
  • Die virtuelle IP wird nur auf der Master Firewall eingestellt und an die Backups mitgeteilt
  • Dazu muss man im Menü Interfaces => Virtual IPs => Settings an allen Schnittstellen bis auf das SYN-Interface die gewünschten IPs vergeben
  • Über das [+] auf der rechten Seite muss man folgende Einträge machen:

virtuelle WAN IP

Parameter Wert
Mode CARP
Interface WAN
Address 192.168.HS.X+20/24
Virtual Password radler
VHID Group X
Advertising Frequency 1
Description Virtual WAN IP

virtuelle LAN IP

Parameter Wert
Mode CARP
Interface LAN
Address 192.168.1.3/24
Virtual Password radler
VHID Group 100
Advertising Frequency 1
Description Virtual LAN IP

Source NAT (Master Firewall)

  • Da die virtuelle IP für ausgehende Verbindungen benutzt werden soll, muss die automatische Regelgenerierung ausgeschaltet werden
  • Im Menü Firewall => NAT => Outbound muss die Option "Manual outbound NAT rule generation" ausgewählt werden
  • Dann die folgende Regel erstellen:
    • Interface: WAN
    • Source address: LAN net
    • Translation / target: Virtual WAN IP (192.168.HS.X+20) aus der Auswahlliste
Achtung
  • Als Ziel muss der VIP-Eintrag aus der Auswahlliste gewählt werden, nicht das Netz 192.168.HS.0/24. Trägt man ein ganzes Netz ein, baut OPNsense daraus einen NAT-Pool.

High Availability Konfiguration (Master Firewall)

  • Die eigentliche HA-Einstellung erfolgt über das Menü System => High Availability => Settings:
Parameter Wert
Synchronize all states via SYN
Sync compatibility OPNsense 24.7 or above
Synchronize Peer IP 100.64.64.2
Synchronize Config 100.64.64.2
Verify peer deaktiviert
Remote System Username root
Remote System Password 123Start$
Services Aliases, Firewall Rules, NAT, Virtual IPs
  • "Verify peer" bleibt deaktiviert, weil die Web-GUI der Gegenstelle ein selbstsigniertes Zertifikat verwendet.

High Availability Konfiguration (Backup Firewall)

  • Hier darf im Menü System => High Availability => Settings nur folgendes eingestellt werden:
Parameter Wert
Synchronize all states via SYN
Sync compatibility OPNsense 24.7 or above
Synchronize Peer IP 100.64.64.1
Synchronize Config leer
Verify peer deaktiviert
Remote System Username leer
Remote System Password leer
Services Nothing selected
  • Synchronize Config muss auf dem Backup leer bleiben. Trägt man hier den Master ein, schieben sich beide Knoten gegenseitig ihre Konfiguration zu.

Client im LAN

  • Der Windows-Client (192.168.1.50) muss als Gateway und als DNS-Server die LAN-VIP 192.168.1.3 erhalten – nicht die 192.168.1.1
  • Wird die echte IP des Masters eingetragen, ist der Client beim Ausfall des Masters trotz funktionierendem Cluster offline
  • Bei Verwendung eines DHCP-Servers muss dieser die VIP als Gateway und DNS verteilen

Endergebnis

Master

  • System
    • High Availability
      • Status
  • Hier müssen beide Spalten gefüllt sein und auf beiden Knoten die gleichen Dienste erscheinen:
Service Description
configd System Configuration Daemon
cron Cron
hostwatch Host discovery service
login Users and Groups
ntpd Network Time Daemon
openssh Secure Shell Daemon
pf Packet Filter
routing System routing
sysctl System tunables
syslog-ng Syslog-ng Daemon
unbound Unbound DNS
webgui Web GUI

Slave

  • System
    • High Availability
      • Status
  • Auf der Backup-Firewall erscheint hier die Warnung, dass die XMLRPC-Konfiguration unvollständig sei.
  • Diese Meldung kann ignoriert werden: Das Backup empfängt nur passiv, deshalb sind die XMLRPC-Felder dort absichtlich leer und werden fälschlicherweise als "unvollständig" markiert. Solange die Master-Firewall auf Version 24.7 eingestellt ist und die Daten erfolgreich überträgt, arbeitet der Cluster technisch einwandfrei.

Failover testen

  • Auf dem Client einen Dauerping nach draußen starten:
ping -t 192.168.HS.254
  • Auf dem Master: System => High Availability => Status => Enter persistent CARP maintenance mode
  • Erwartetes Verhalten:
    • Das Backup wechselt für beide VHIDs von BACKUP auf MASTER
    • Der Ping läuft weiter oder verliert maximal ein bis zwei Pakete
  • Kontrolle auf beiden Knoten:
ifconfig em0 ; ifconfig em1
  • Zurückschalten über Leave persistent CARP maintenance mode auf dem Master
  • Zweiter Test: Master hart ausschalten (VM stoppen) und das gleiche Verhalten prüfen

Debugging

Vorgehen

  • Von unten nach oben prüfen: erst CARP (Layer 2/3), dann pfsync (States), dann XMLRPC (Konfiguration)
  • Ein Cluster kann sauber synchronisieren und trotzdem kein Failover können – und umgekehrt

Schritt 1: CARP-Status

  • Auf beiden Knoten:
ifconfig em0 ; ifconfig em1
  • Erwartetes Bild:
Knoten LAN (vhid 100) WAN (vhid X)
Master MASTER, advskew 0 MASTER, advskew 0
Backup BACKUP, advskew 100 BACKUP, advskew 100
  • In der GUI: Interfaces => Virtual IPs => Status
  • CARP global ein-/ausgeschaltet:
sysctl net.inet.carp.allow
  • Ausführlichere CARP-Meldungen im Log einschalten:
sysctl net.inet.carp.log=2

Schritt 2: Beide Knoten sind MASTER (Split Brain)

  • Das häufigste Fehlerbild im Labor. Beide Knoten sehen den Partner nicht und übernehmen die VIP.
  • Prüfen, ob die Advertisements des Partners überhaupt ankommen:
tcpdump -n -i em1 proto 112
tcpdump -n -i em0 proto 112
  • Man muss die Pakete beider Knoten sehen (Quelle = jeweils die echte Interface-IP)
Beobachtung Ursache
Nur eigene Pakete sichtbar Promiscuous-Modus im Hypervisor fehlt
Gar keine Pakete sichtbar VIP nicht angelegt oder Interface down
Pakete kommen an, trotzdem beide MASTER CARP-Allow-Regel auf dem Interface fehlt
Pakete mit fremder VHID Anderer Teilnehmer nutzt die gleiche VHID
  • Weitere Ursachen bei Split Brain:
    • Unterschiedliches Virtual Password auf den beiden Knoten
    • Unterschiedliche VHID auf den beiden Knoten
    • Unterschiedliche Advertising Frequency

Schritt 3: Kein Failover trotz korrektem Status

  • Demotion-Zähler prüfen – ist er größer als 0, bleibt der Knoten absichtlich BACKUP:
sysctl net.inet.carp.demotion
  • Ursachen für einen erhöhten Zähler: ein Interface ist down, ein Dienst startet nicht sauber, der Knoten befindet sich noch im Maintenance Mode
  • Maintenance Mode verlassen: System => High Availability => Status => Leave persistent CARP maintenance mode

Schritt 4: Sicht des Clients

  • Auf dem Windows-Client prüfen, welche MAC hinter dem Gateway steckt:
arp -a
  • Die LAN-VIP muss auf eine virtuelle MAC zeigen, nicht auf die echte NIC des Masters:
192.168.1.3    00-00-5e-00-01-64
  • Das letzte Byte ist die VHID in hex – 0x64 = 100
  • Steht dort eine 08:00:27:... Adresse, arbeitet der Client an CARP vorbei direkt mit einer echten Firewall-IP
  • Nach einem Failover darf sich der ARP-Eintrag nicht ändern – genau das ist der Sinn der virtuellen MAC

Schritt 5: Zustandssynchronisation (pfsync)

  • Läuft der pfsync-Verkehr über das SYN-Netz?
tcpdump -n -i em2 proto 240
  • Anzahl der States auf beiden Knoten vergleichen – die Werte müssen ähnlich sein:
pfctl -s state | wc -l
  • Ist die Zahl auf dem Backup dauerhaft 0, überträgt pfsync nicht:
    • Synchronize Peer IP zeigt auf die falsche Adresse
    • Die Allow-Regel auf dem SYN-Interface fehlt
    • SYN-Interface auf einem der Knoten nicht aktiviert

Schritt 6: Konfigurationssynchronisation (XMLRPC)

  • Auf der Master-Firewall: System => Log Files => General, im Filter-Feld xmlrpc eingeben
  • Gesucht wird ein Eintrag wie: [OK] Configuration synchronized to https://100.64.64.2:443
  • Manuell anstoßen: System => High Availability => Status => Synchronize and reconfigure all (Push)
  • Gleichzeitig auf dem Backup mitlesen:
tail -f /var/log/configd/latest.log
Meldung Ursache
Connection refused Web-GUI des Backups nicht erreichbar oder falscher Port
Authentication failed Falsches Passwort unter "Remote System Password"
Certificate verify failed "Verify peer" ist aktiviert, Zertifikat ist selbstsigniert
Endlose Sync-Schleife Auf dem Backup ist "Synchronize Config" gefüllt – muss leer sein

Schritt 7: Ausgehende Verbindungen

  • Prüfen, mit welcher Quelladresse der Client nach draußen geht:
tcpdump -n -i em1 host 192.168.HS.254
  • Es muss die Virtual WAN IP (192.168.HS.X+20) erscheinen, nicht die echte IP des Masters
  • Erscheint die echte IP: Outbound-NAT steht noch auf automatisch, oder in der manuellen Regel wurde als Target nicht die VIP gewählt

Nützliche Befehle im Überblick

Befehl Zweck
ifconfig em0 ; ifconfig em1 CARP-Rolle und VIPs anzeigen
tcpdump -n -i em1 proto 112 CARP-Advertisements mitlesen
tcpdump -n -i em2 proto 240 pfsync-Verkehr mitlesen
wc -l Anzahl der Firewall-States
sysctl net.inet.carp.demotion Demotion-Zähler
sysctl net.inet.carp.log=2 Ausführliches CARP-Logging
tail -f /var/log/configd/latest.log Konfigurationssync mitlesen
configctl filter reload Regelwerk neu laden

Netzwerkschnittstellen

Master

em0: flags=1008943<UP,BROADCAST,RUNNING,PROMISC,SIMPLEX,MULTICAST,LOWER_UP> metric 0 mtu 1500
	description: LAN (lan)
	options=48500b8<VLAN_MTU,VLAN_HWTAGGING,JUMBO_MTU,VLAN_HWCSUM,VLAN_HWFILTER,VLAN_HWTSO,HWSTATS,MEXTPG>
	ether 08:00:27:c4:a2:6f
	inet 192.168.1.1 netmask 0xffffff00 broadcast 192.168.1.255
	inet 192.168.1.3 netmask 0xffffff00 broadcast 192.168.1.255 vhid 100
	carp: MASTER vhid 100 advbase 1 advskew 0
	      peer 224.0.0.18 peer6 ff02::12
	media: Ethernet autoselect (1000baseT <full-duplex>)
	status: active
	nd6 options=29<PERFORMNUD,IFDISABLED,AUTO_LINKLOCAL>
em1: flags=1008943<UP,BROADCAST,RUNNING,PROMISC,SIMPLEX,MULTICAST,LOWER_UP> metric 0 mtu 1500
	description: WAN (wan)
	options=48500b8<VLAN_MTU,VLAN_HWTAGGING,JUMBO_MTU,VLAN_HWCSUM,VLAN_HWFILTER,VLAN_HWTSO,HWSTATS,MEXTPG>
	ether 08:00:27:61:6f:6d
	inet 192.168.HS.X+40 netmask 0xffffff00 broadcast 192.168.HS.255
	inet 192.168.HS.X+20 netmask 0xffffff00 broadcast 192.168.HS.255 vhid X
	carp: MASTER vhid X advbase 1 advskew 0
	      peer 224.0.0.18 peer6 ff02::12
	media: Ethernet autoselect (1000baseT <full-duplex>)
	status: active
	nd6 options=29<PERFORMNUD,IFDISABLED,AUTO_LINKLOCAL>

Backup

em0: flags=1008943<UP,BROADCAST,RUNNING,PROMISC,SIMPLEX,MULTICAST,LOWER_UP> metric 0 mtu 1500
	description: LAN (lan)
	options=48500b8<VLAN_MTU,VLAN_HWTAGGING,JUMBO_MTU,VLAN_HWCSUM,VLAN_HWFILTER,VLAN_HWTSO,HWSTATS,MEXTPG>
	ether 08:00:27:1c:44:8b
	inet 192.168.1.2 netmask 0xffffff00 broadcast 192.168.1.255
	inet 192.168.1.3 netmask 0xffffff00 broadcast 192.168.1.255 vhid 100
	carp: BACKUP vhid 100 advbase 1 advskew 100
	      peer 224.0.0.18 peer6 ff02::12
	media: Ethernet autoselect (1000baseT <full-duplex>)
	status: active
	nd6 options=29<PERFORMNUD,IFDISABLED,AUTO_LINKLOCAL>
em1: flags=1008943<UP,BROADCAST,RUNNING,PROMISC,SIMPLEX,MULTICAST,LOWER_UP> metric 0 mtu 1500
	description: WAN (wan)
	options=48500b8<VLAN_MTU,VLAN_HWTAGGING,JUMBO_MTU,VLAN_HWCSUM,VLAN_HWFILTER,VLAN_HWTSO,HWSTATS,MEXTPG>
	ether 08:00:27:95:9b:4b
	inet 192.168.HS.X+60 netmask 0xffffff00 broadcast 192.168.HS.255
	inet 192.168.HS.X+20 netmask 0xffffff00 broadcast 192.168.HS.255 vhid X
	carp: BACKUP vhid X advbase 1 advskew 100
	      peer 224.0.0.18 peer6 ff02::12
	media: Ethernet autoselect (1000baseT <full-duplex>)
	status: active
	nd6 options=29<PERFORMNUD,IFDISABLED,AUTO_LINKLOCAL>
  • Der Master hat advskew 0, das Backup advskew 100. Diesen Wert setzt OPNsense beim Sync automatisch – er wird nicht von Hand vergeben.

Wird Synchronisiert?

Master
  • System
    • High Availability
      • Status
        • Synchronize and reconfigure all (Push)
Backup
tail -f /var/log/configd/latest.log
  • Hier sollte man die Übertragung sehen.