Autopsy Aufgabe
Forensik-Szenario präparieren (Disk Salting)
Anleitung zum gezielten Pflanzen von Artefakten auf einem Windows-Target (hier: Tiny11), damit Teilnehmer das Image anschließend in Autopsy forensisch zerlegen und die Spuren rekonstruieren.
Prinzip: nicht wahllos Dateien ablegen, sondern eine kohärente Story inszenieren. Jeder Fund muss in die Erzählung passen, sonst entsteht kein Ermittlungs-Narrativ. Am Ende steht ein Lösungsschlüssel, ohne den das Lab nicht bewertbar ist.
Szenario-Konzept
- Beispiel-Story (Insider-Exfiltration)
- Mitarbeiter C. Mueller will vor der Kündigung Firmendaten mitnehmen.
- Er recherchiert eine Tauschplattform, lädt ein Pack-Tool, archiviert
- interne Dokumente, kopiert sie auf einen USB-Stick, löscht die Spuren
- und manipuliert Zeitstempel.
Daraus ergeben sich automatisch die zu pflanzenden Artefakt-Klassen (Browser, Execution, Dateisystem, USB, Anti-Forensik). Wer die Story zuerst schreibt, säet konsistent.
- Alternativ
- Malware-Infektion (Download → Ausführung → Persistenz → C2) – verzahnt
- sich gut mit der VulnSite-Angriffskette: das präparierte Image ist
- das Opfer-System, die Teilnehmer finden ihren eigenen Angriff wieder.
Vorbereitung
- Saubere Ausgangslage sichern (Rückfallpunkt)
- VM herunterfahren, Snapshot anlegen
- Realistisches Benutzerprofil anlegen (nicht der Default-Admin)
- Konto cmueller anlegen, einloggen, kurz "leben" lassen
Alle folgenden Schritte als cmueller interaktiv ausführen – nur dann entstehen die userbezogenen Registry- und Prefetch-Spuren.
Artefakte säen
Browser-Aktivität
- Recherche + Download inszenieren (Edge/Firefox normal bedienen)
- Tauschplattform googeln, ein paar typed URLs erzeugen
- Pack-Tool (z.B. 7-Zip) "verdächtig" herunterladen
- ggf. Lesezeichen setzen
Findbar später: History, Downloads, typed URLs, Cache.
Execution-Artefakte
- Programme mehrfach starten (erzeugt Prefetch + UserAssist)
- heruntergeladenes Tool 2–3x per Doppelklick ausführen
- Win+R-Befehle absetzen (RunMRU)
powershell cmd \\2XX.2XX.2XX.2XX\share
- Dokumente öffnen (RecentDocs, JumpLists, LNK)
- ein paar .docx/.pdf öffnen
Findbar: Prefetch, UserAssist, ShimCache/AmCache, RecentDocs, LNK.
Dateisystem & Exfil
- Interne Dokumente archivieren (das "Diebesgut")
"C:\Program Files\7-Zip\7z.exe" a C:\Users\cmueller\Desktop\projekt_export.7z C:\Daten\*.docx
- Datei mit irreführender Endung tarnen
- projekt_export.7z → urlaubsfotos.jpg umbenennen
- Alternate Data Stream verstecken (klassischer Finde-Trick)
cmd /c "echo PASSWORT: 2Xstreng-geheimX2 > C:\Users\cmueller\Desktop\notiz.txt:hidden.txt"
- Datei löschen → später recovern
- ein belastendes Dokument erstellen, dann in den Papierkorb
- Papierkorb teilweise leeren (erzeugt $I/$R bzw. gelöschte Reste)
Findbar: gelöschte Dateien (Carving), Recycle Bin, ADS, Extension-Mismatch.
USB-Artefakte
- USB-Stick virtuell durchreichen und Datei drauf kopieren
- in VirtualBox/Proxmox USB-Device an die VM binden
- projekt_export auf den Stick kopieren, Stick "abziehen"
Findbar: USBSTOR-Registry, setupapi.dev.log, MountedDevices, ShellBags.
Kommunikation / Credentials (optional, Hollywood-Würze)
- Verräterischen Text ablegen
- Mailentwurf oder notiz.txt: "Stick ist abholbereit, Treffpunkt 2X Uhr"
- Passwortdatei "vergessen"
- passwoerter.txt im Profil
Steganografie (CTF-Element, optional)
- Flag in einem Bild verstecken (auf einer Linux-Box vorbereiten)
steghide embed -cf urlaub.jpg -ef flag.txt -p 2Xgeheim2X
- Bild danach auf das Target legen
Anti-Forensik (Fortgeschrittene)
Macht das Lab realistischer und liefert eigene Lernziele (Manipulation erkennen). Bewusst dosieren.
- Zeitstempel manipulieren (Timestomping)
$f = Get-Item C:\Users\cmueller\Desktop\urlaubsfotos.jpg $f.LastWriteTime = "2020-01-01 02:00:00" $f.CreationTime = "2020-01-01 02:00:00" $f.LastAccessTime = "2020-01-01 02:00:00"
- Eventlog leeren (hinterlässt selbst eine Spur
- Event 1102)
wevtutil cl Security
Hinweis: Anti-Forensik nur, wenn die Auswertung das auch thematisiert – sonst frustriert es ohne Lernziel.
Settling & Imaging
- Artefakte setzen lassen (Registry-Flush, Prefetch)
- System normal weiternutzen, 1–2x sauber neu starten
- Sauber herunterfahren (KEIN Imaging im laufenden Betrieb)
- konsistentes Dateisystem ist Pflicht
- Acquiring (Detail siehe Autopsy)
qemu-img convert -O raw tiny11.qcow2 tiny11.raw ewfacquire tiny11.raw # optional → E01 mit Hash + Metadaten
- Hash vor Verteilung ziehen (Integrität / Chain of Custody)
sha256sum tiny11.E01
Lösungsschlüssel
Für DICH als Dozent – nicht an Teilnehmer ausgeben. Tabelle pflegen, sonst ist das Lab nicht bewertbar.
| Nr | Artefakt | Fundort | Autopsy-Modul |
|---|---|---|---|
| 1 | Download Pack-Tool | Edge/Firefox History | Web Artifacts |
| 2 | Tool-Ausführung | Prefetch / UserAssist | Recent Activity |
| 3 | Exfil-Archiv (getarnt) | Desktop, Extension-Mismatch | File Type / Hash |
| 4 | ADS hidden.txt | notiz.txt:hidden.txt | File System |
| 5 | Gelöschtes Dokument | Recycle Bin / unallocated | Deleted Files |
| 6 | USB-Insertion | USBSTOR, setupapi.dev.log | Recent Activity |
| 7 | Timestomping | urlaubsfotos.jpg (MAC inkonsistent) | Timeline |
| 8 | Eventlog-Löschung | Security Event 1102 | Keyword / Logs |
| 9 | Steg-Flag | urlaub.jpg | (manuell, steghide) |
Aufgaben
- Stub – noch zu bauen (analog theHarvester/nmap-Aufgaben)
- Geführte Discovery: Teilnehmer rekonstruieren die Story chronologisch
- über die Timeline und belegen jeden Schritt mit dem passenden Artefakt.